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Hohe Heilungsrate bei jungen Frauen mit bulimischen Essstörungen |
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| » Download der Dissertation von M.L.L. Butschko |
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| In den vergangenen zwanzig Jahren ist der Behandlungsbedarf für Essstörungen zunehmend gestiegen. Daher entwickelte die Psychosomatische Jugendstation in der Filderklinik nach ihrer Eröffnung 1983 sehr bald einen therapeutischen Schwerpunkt für diesen Erkrankungsbereich. Schon früh erfolgten erste wissenschaftliche Überprüfungen des Therapieansatzes für die Anorexia nervosa (Magersucht) und zeigten im internationalen Vergleich gute Behandlungsergebnisse. |
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| Bei der Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) kommt es im Unterschied zur Anorexia nervosa nicht zur Nahrungsverweigerung. Bulimikerinnen leiden unter Essattacken, bei denen sie enorme Mengen meist hochkalorischer Nahrung in sich hineinschlingen. Aus Angst, an Gewicht zuzunehmen, versuchen sie nach der Essattacke, in manchen Fällen auch nach einer normalen Mahlzeit, das Gewicht zu reduzieren, meistens indem sie erbrechen. Die Patientinnen können über-, unter- oder normalgewichtig sein. Sie kommen meist mit äußerlich unauffälligem bis perfektem Erscheinungsbild zum Arzt und verblüffen dadurch, dass sichtbare Krankheitszeichen fehlen. Ihr Leidensdruck entsteht hauptsächlich durch den zwanghaften Fokus von Gedanken und Verhalten auf Gewicht, Figur und Nahrungsaufnahme sowie eine große Scham aufgrund ihres Essverhaltens. |
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| Viele noch offene Fragen zum Krankheitsbild Bulimia nervosa und die Notwendigkeit von Verlaufsforschungen veranlasste die Ärztin Dr.med. Leila Butschko zu der vorliegenden Studie. Diese ist im Rahmen einer „Arzt im Praktikum-Stelle“ in der Kinderabteilung der Filderklinik durchgeführt und von der Dr.Hauschka Stiftung mit einem Betrag von 12.000 €, verteilt auf die Jahre 2001 und 2002, gefördert worden. Das Projekt war gleichzeitig Promotionsarbeit von Frau Dr.med. Butschko und wurde von Prof. du Bois, Kinder- und Jugendpsychiater am Olgahospital Stuttgart und der Universität Tübingen, als Doktorvater betreut. Die Ergebnisse der Studie sowie ein anthroposophisches Verständnis der Essstörungen wurden im Rahmen der Pädiatriewoche 2003 an der Filderklinik vorgestellt. |
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| In der Studie sollten mittels einer persönlichen Nachuntersuchung aller Patientinnen, die von 1986 bis 2001 im Alter von 12 bis 21 Jahren mit der Diagnose Bulimia nervosa oder Anorexia nervosa vom bulimischen Typ auf der Kinder- und Jugendpsychosomatik der Filderklinik stationär behandelt wurden, u.a. folgende vier Fragen beantwortet werden: |
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| 1. |
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Wie ausgeprägt ist die essstörungsspezifische Symptomatik zum Zeitpunkt der Katamnese (Krankheitsbericht nach Abschluss einer Behandlung)? |
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| 2. |
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Wo stehen die untersuchten Probandinnen jetzt hinsichtlich beruflicher und sozialer Integration? |
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| 3. |
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Besteht bei Probandinnen, deren Essstörung zum Katamnesezeitpunkt ausgeheilt war, eine Symptomenverschiebung hin zu anderen psychischen Störungen? |
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| 4. |
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Gibt es einen Unterschied im Verlaufsergebnis zwischen der Gruppe der Patientinnen, die mit einer Bulimie und denen, die mit Anorexie Binge-Eating/Purging-Typ aufgenommen wurden, oder zwischen Patientinnen, die vor Beginn der bulimischen Symptomatik eine Anorexie hatten, von denen, die primär an Bulimie erkrankten? |
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| Ergebnisse |
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| Das Studium der Akten von 84 Studienteilnehmerinnen ergab: Die in der Filderklinik behandelten Patientinnen erkrankten durchschnittlich mit 15,5 Jahren. Bei Aufnahme waren sie durchschnittlich 17,3 Jahre alt. Bis zur Aufnahme vergingen durchschnittlich 21 Monate, eine ambulante Vorbehandlung nahmen insgesamt 50 von 84 Patienten wahr. Durchschnittlich vergingen 14 Monate, bis erstmals eine Therapie gesucht wurde. Ein bis zwei stationäre Therapien hatten 10 der 84 Patientinnen hinter sich. |
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| Von den 84 angeschriebenen Patientinnen konnten nur 58 persönlich nachuntersucht werden, da die übrigen entweder unbekannt verzogen waren oder aus beruflichen bzw. anderen Gründen nicht an der Studie teilnehmen konnten. |
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| Der BMI (Body-mass-Index = Verhältniszahl zur Beurteilung des Körpergewichts; Normalbereich: 19-25) lag bei der Nachuntersuchung bei allen Probandinnen unter 26 (d. h. keine war übergewichtig) und nur bei 4 von 58 mit einem BMI von 16 -17,5 im untergewichtigen Bereich. Es hatten 32 von 57 Probandinnen eine normale Menstruation ohne Hormoneinnahme, 6 eine Oligomenorrhoe (zu seltene Menstruation), 17 nahmen Hormone (Pille), 2 Frauen hatten keinen Menstruationszyklus, wobei eine von ihnen schwanger war. Der 58. Studienteilnehmer war männlich. |
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| Das Ergebnis zum Katamnesezeitpunkt war ausgesprochen erfreulich: 79 % der Patientinnen waren essstörungsfrei, lediglich 14 % litten weiterhin an Bulimie. 9 % der Patientinnen zeigten Symptome der Anorexia nervosa, lagen aber mit ihrem Körpergewicht im Normalbereich, während 5 % der Patientinnen zwar unter Fressattacken litten, aber weniger als zweimal pro Woche oder kürzer als 3 Monate. |
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| Im Zusatzfragebogen wurde unter anderem gefragt, welche Aspekte des Therapiekonzeptes der Filderklinik die Probandinnen für ihren Krankheitsverlauf als hilfreich bzw. als hinderlich empfunden hatten. Sie hoben unspezifische Faktoren als besonders hilfreich hervor, wie das Erleben von Verständnis, die menschlichen Begegnungen sowie die Einzelgespräche. Ein stationärer Aufenthalt erschien vielen Probandinnen nötig, um einen stützenden Rahmen zu haben im „Ausnahmezustand“ der Entwöhnung oder vielmehr Umgewöhnung in effektivere, gesündere Wege der Problemlösung. In der differenzierten Beurteilung einzelner Faktoren des Therapiekonzeptes wurde spontan die Kombination der schützenden Atmosphäre und die zuwendungsintensiven äußeren Anwendungen auf der einen Seite mit den provozierenden Anregungen zur Arbeit an sich selbst auf der anderen Seite als sehr hilfreich hervorgehoben. |
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| Stellvertretend für die Ergebnisse zur Heilungsrate der Bulimie bei altersgemischten Gruppen aus verschiedenen Studien und Übersichtsartikeln sollen hier die Ergebnisse des Reviews von KEEL und MITCHELL 1997 stehen: Nach einer Untersuchungsdauer von 5 bis 10 Jahren waren 50 % der Probanden geheilt, 20 % unverändert bulimisch und 30 % subklinisch, also nicht klinisch sichtbar essgestört. Im Vergleich mit diesem Ergebnis erweist sich der in der Filderklinik praktizierte anthroposophische Therapieansatz als deutlich erfolgreicher. |
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